Und vor allem braucht es ein Umdenken weg vom reinen Fokus auf die Kosten hin zu den Ergebnissen von neuen Therapien. Dabei sind alle Partner gefordert.

Peter Hug

Präsident

Wir leben heute in aller Regel nicht nur länger, sondern bleiben auch länger gesund. Ein gesünderer Lebensstil, aber auch der medizinische Fortschritte und nicht zuletzt neue Medikamente haben dazu beigetragen. Und die Entwicklung geht weiter. Dank Forschung und Innovation erweitern sich die Möglichkeiten der Medizin zurzeit rasant. Aids ist von einer tödlichen zu einer chronisch behandelbaren Krankheit geworden, die Überlebenschancen bei manchen Krebsarten sind deutlich gestiegen, Hepatitis C kann in den meisten Fällen geheilt werden und wir haben Medikamente zur Risikominderung von Herzinfarkt oder Hirnschlag zur Hand. Zudem gelingt es immer besser, einzelne Patientengruppen gezielt zu behandeln. Früher erhielten alle Patientinnen und Patienten mit einer bestimmten Krankheit dasselbe Medikament. Einheitliche Standardtherapien wirken zwar bei manchen Patienten, können aber bei anderen unwirksam sein.

Heute können Ärzte die Ursachen von Krankheiten feststellen und dank neuer Diagnosemöglichkeiten besser vorhersagen, wie gut eine Patientin, ein Patient auf die Behandlung ansprechen wird. Um Patientinnen und Patienten gezielt behandeln zu können, setzen Ärzte gerade auch bei Krebs eine Kombination innovativer Medikamente (Kombinationstherapien) oder Medikamente ausserhalb der üblichen Anwendungsbereiche ein. Solche massgeschneiderten Therapien führen zu besseren Ergebnissen. Neue, innovative Medikamente mögen in der Regel zwar teurer sein als ältere Präparate, aber sie verringern auch Kosten, indem sie zu kürzeren Spitalaufenthalten führen und Folgebehandlungen vermeiden.

Damit auch künftig alle Patientinnen und Patienten Zugang zur besten Behandlung haben, braucht es mehr Flexibilität im bewährten Preisfestsetzungsmodell und im Rahmen des heutigen Erstattungssystems. Und vor allem braucht es ein Umdenken weg vom reinen Fokus auf die Kosten hin zu den Ergebnissen von neuen Therapien. Dabei sind alle Partner gefordert.

Der Dialog mit Krankenkassen über die Kostenerstattung von innovativen Kombinationstherapien in der Behandlung von Krebs hat dazu geführt, dass im Frühling 2016 drei Kombinationstherapien in die Spezialitätenliste (SL) aufgenommen wurden. Auch künftig wird sich Interpharma für flexible und pragmatische Lösungen einsetzen, um den Zugang aller Patientinnen und Patienten zu den neusten Therapien zu sichern.

 


Thomas B. Cueni

Geschäftsführer

Wer auf die Schweiz schaut, denkt an schöne Landschaften und feine Schokolade. Wer die Schweiz kennt, weiss um ihre leistungsstarke Industrie. Eine davon, die den Werkplatz Schweiz stark macht, ist die Pharmaindustrie.

Über 40 000 Leute beschäftigen die forschenden pharmazeutischen Firmen in der Schweiz, mehr als doppelt so viel wie vor 20 Jahren. Sie entwickeln und produzieren Medikamente, die auf dem ganzen Globus Leiden lindern und Leben retten. Jährlich verlassen Medikamente im Wert von über 70 Milliarden Franken die Schweiz – mehr als die Hälfte davon geht nach Europa. Europa ist für Spitzenmedikamente aus der Schweiz der grösste und wichtigste Absatzmarkt.

Soll das so bleiben, sind für die Pharmafirmen zwei Dinge zentral: Einerseits, dass sie ihre Produkte ohne grosse Bürokratie in andere Länder liefern können. Andererseits, dass sie Mitarbeitende finden, um die Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten voranzutreiben. Die Bilateralen garantieren das. Beides stünde aber auf dem Spiel, wenn die Masseneinwanderungsinitiative wortgetreu umgesetzt wird.

Die bilateralen Verträge haben uns in der Vergangenheit gute Dienste geleistet. Als Land ohne eigene Rohstoffe hat es die Schweiz durch ein gutes Gleichgewicht zwischen Souveränität und wirtschaftlicher Offenheit geschafft, zu einem der erfolgreichsten Länder der Welt zu werden – mit, aber nicht in der EU. Für die Zukunft brauchen wir einen kühlen Kopf und eine pragmatische Lösung, die es uns erlaubt, den bilateralen Weg fortzuführen und gleichzeitig die Zuwanderung in unser Land massvoll zu gestalten.

Allerdings müssen hierzu auch die EU und unsere Nachbarstaaten Ja sagen. Tragen wir also einem partnerschaftlichen Verhältnis mit Europa Sorge. Tun wir dies nicht und verschliessen wir uns einer pragmatischen Lösung, brechen wir mit den traditionellen und Erfolg versprechenden Grundwerten unseres Landes. Wirtschaftlich stark, innovativ und dynamisch sind wir nur dann, wenn wir auch offen sind.

 

Wirtschaftlich stark, innovativ und dynamisch sind wir nur dann, wenn wir auch offen sind.